{"id":20,"date":"2023-03-18T20:04:16","date_gmt":"2023-03-18T19:04:16","guid":{"rendered":"http:\/\/brennesselkerwe.de\/wp\/?page_id=20"},"modified":"2023-03-21T19:00:15","modified_gmt":"2023-03-21T18:00:15","slug":"die-hambacher-kerwe","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/brennesselkerwe.de\/?page_id=20","title":{"rendered":"Die Hambacher Kerwe"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Allgemeines<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Name Kerb,Kerwe, Kirb oder Kirmes bedeutet auf hochdeutsch Kirchweihe, d. h. die Weihe eines Gotteshauses. Die Kerb wird zur Erinnerung an den festlichen Tag der jeweiligen Gemeinde als kirchliches Fest und anschlie\u00dfend als weltliche Feier mit Volksbelustigung auf dem Juxplatz (Jahrmarktbuden, Schie\u00dfst\u00e4nde und Karusselle aller Art) begangen. In den Loka- len ist Tanzmusik. So ist das in den meisten Orten heute noch \u00fcblich. Das kirchliche Fest ist wohl der Anla\u00df, das weltliche aber nimmt beim Vo1k den ersten Platz ein. Es ist auch ausgedehnter. Es dauert vom Nachmittag des Kerwesonntags bis in die Nacht hinein, dann folgt der Kerwemontag und am n\u00e4chsten Sonntag die Nachkerb. Es gibt auch Orte, die Kerb feiern, ohne eine Kirche zu besitzen. Hier kann der Anla\u00df zur Kirchweihe nicht die Einweihung eines Gotteshauses sein. Fr\u00fcher gab es noch nicht die Vielfalt der verschiedenen Vereine mit den vielen Vereinsfesten. Fr\u00fcher war das Gemeinschaftsleben des Dorfes noch einheitlicher. An Dorfgemeinschaften gab es die Nachbarschaften, die Spinnstuben und die Gemeinschaft der Dorfburschen. Nur ganze Kerle konnten in die Burschenschaft aufgenommen werden. Dazu wurde eine Mutprobe verlangt, und bei der Burschung waren bestimmte Aufnahmeriten \u00fcblich. Diese Burschengemeinschaften waren die Tr\u00e4ger des geselligen und kulturellen Lebens im Dorf. Zur Ausrichtung der Kerwe wurde f\u00fcr die Zeit der Vorbereitung bis zum Ende der Kerb aus der Burschenschaft ein Komitee zusammengestellt, das alles zum Fest N\u00f6tige zu besorgen hatte. Dieses Festkomitee war der freiwillige Zusammenschlu\u00df der Kerweborscht. Da es in jedem Dorf eine Burschenschaft gab, wollten die D\u00f6rfer, die keine Kirche eingeweiht hatten, hinter den anderen nicht zur\u00fcckstehen. Sie feierten eben auch ihre Kerb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Weihe einer Kirche durch den Bischof geht nach einem bestimmten Ritus vor sich. Von dem Tag an, da eine Gemeinde eine eigene Kirche hat, beginnt f\u00fcr sie ein neuer Zeitabschnitt. Im Leben des Menschen gibt es verschiedene Zeitabschnitte (Geburt, Taufe, Kommunion und Konfirmation, Firmung, Hochzeit, Tod). Im Leben einer Dorfgemeinschaft gibt es im Laufe des Jahres auch verschiedene Abschnitte. Es sind die Jahreszeiten, die die b\u00e4uerliche Arbeit bestimmen. Bei Eintritt eines neuen Zeitabschnitts ist von Alters her ein besonderer Brauch ge\u00fcbt worden. Man spricht vom Lebensbrauchtum und vom Jahresbrauchtum. Die heidnischen Begehungen wurden bei der Christianisierung beibehalten, aber mit christlichem Sinngehalt gef\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahresbrauchtum sind die Fr\u00fchlingsbr\u00e4uche (Segensbr\u00e4uche, Abwehr b\u00f6ser Geister) sehr umfangreich. Heute ist der alte Brauch noch oft erhalten, aber der Sinn ging verloren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wo soll man nun die Kerwebr\u00e4uche einreihen? Soll man sie mit dem ganzen Rest unter die Fr\u00fchlingsbr\u00e4uche oder unter die Erntebr\u00e4uche stellen? Da zu allen Jahreszeiten Kirchen eingeweiht werden, wird dieses Erinnerungsfest auch zu allen Jahreszeiten gefeiert. Die Hambacher Kirche ist zu Mari\u00e4 Himmelfahrt (15. August) 1898 geweiht worden. Die Hambacher Kerb wird aber als erste Kerb der Umgebung bereits vierzehn Tage nach Ostern gefeiert. Mein Gew\u00e4hrsmann, der 80j\u00e4hrige Adam Knapp aus Hambach, behauptet, die Hambacher Kerb w\u00fcrde abgehalten zur Erinnerung an die Weihe des Vorl\u00e4ufers der jetzigen Kirche, der Kapelle, die ehemals auf dem jetzigen Kirchplatz stand. Diese Kapelle sei im Fr\u00fchjahr geweiht worden. Die Hambacher Kerb ist als bewegliches Fest an kein bestimmtes Datum gebunden. Vielleicht ist das Fest schon begangen worden, als es in Hambach noch gar keine Kapelle gab. In der Kerwerede von 1950 hei\u00dft es, da\u00df Hambach seine Kerwe schon fast tausend Jahre begehe, also von Anfang an. Das ist nun auch wieder fraglich, denn eine Kerwerede fu\u00dft ja nicht auf tiefgr\u00fcndiger Geschichtsforschung. Jedenfalls wissen wir nichts \u00fcber den Ursprung der Hambacher Kerwe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im allgemeinen wird heute am Kerwesonntag nach dem feierlichen Hochamt gut gegessen und getrunken. Am Nachmittag kommt Besuch von ausw\u00e4rts: man trinkt ausgiebig Kaffee, dann geht man mit den Kindern auf den Juxplatz. Abends wird im Lokal getanzt. Am Kerwemontag ist Fr\u00fchschoppen, abends Tanz im Lokal. Dort wird wieder gut gegessen und getrunken. Besonders die Gesch\u00e4ftsleute aus der Umgebung lassen sich einmal sehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie ein Kirchweihfest sich heute bildet und eine Einheit zwischen kirchlicher und weltlicher Feier darstellt, zeigt das Beispiel der Weststadtkerb in Heppenheim. Am 1. Mai 1960 wurde die Kirche &#8222;Erscheinung des Herrn&#8220; vom Mainzer Bischof Dr. Albert Stohr geweiht. Seitdem be- geht diese Pfarrei in der Weststadt ihre Kerb an jedem ersten Sonntag im Mai. Am Vormittag ist feierliches Levitenamt in der Kirche. Am Nachmittag und Abend findet die weltliche Feier in einem gro\u00dfen Festzelt neben der Kirche statt. Um die Kirche herum stehen Schiffschaukeln, Karusselle und Jahrmarktsbuden. Schutzherr der Kerb ist der Pfarrer. Die Feier wird in der Form eines Basars abgehalten. Es ist eine Wohlt\u00e4tigkeitsveranstaltung zu Gunsten der Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kirchweihfeiern in gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten haben vielfach nicht mehr diese enge Bindung an die kirchliche Feier. Sie bestehen f\u00fcr das Volk nur noch aus Jahrmarktsrummel und Tanzvergn\u00fcgen. Hier kann es keine Tradition und kein Brauchtum geben. Das ist auf dem Land anders. Wenn sich heute auf dem Land die Berufs- und Siedlungsstruktur auch wesentlich ge\u00e4ndert hat, von Grund auf ist der D\u00f6rfler konservativ. Er ist in seiner landwirtschaftlichen Arbeit dem Boden und damit der Natur verhaftet. Wo eine Volkstracht oder ein Brauchtum entwurzelt ist und verlorenging, soll man es nicht unbedingt mit Gewalt wieder ans Tageslicht zerren wollen. Wo es aber noch lebt, soll man es zu erhalten versuchen. Die schnellebige Zeit von heute zerst\u00f6rt ohne dies schon sehr viel Gutes, das wert gewesen w\u00e4re, erhalten zu bleiben. Hambach hat wahrscheinlich schon seit einigen Jahrhunderten seine Kerwe. Der Hauptkerweborsch pocht fast jedes Jahr in seiner Kerweredd auf diese Tradition. Wo eine sehr alte Tradition herrscht, hat sich auch ein altes Brauchtum erhalten. Professor Eugen Fehrle, mein verehrter Heidelberger Volkskundelehrer, schreibt in der dritten Auflage seines Buches &#8222;Deutsche Feste und Volksbr\u00e4uche&#8220; Seite 78: &#8222;Die \u00fcblichen Br\u00e4uche sind entweder von der Ernte oder dem folgenden Martinsfest \u00fcbernommen, oder es sind, abgesehen von den eigenartigen Kirchweiht\u00e4nzen, allgemeine Festsitten. Heute ist die Kirchweihfeier meist sehr eingeschr\u00e4nkt und besteht zum Teil nur noch in reichlichem Essen und Trinken, Tanzen und einem jahrmarkt\u00e4hnlichen Getriebe. Deshalb hei\u00dft in Schwaben die Hauptkirchweih zum Unterschied von der Bubekirbe und anderen Kirchweihfesten, die noch neben ihr bestehen, die,Fre\u00df- oder Allerweltskirbe\u2019.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr. Heinrich Winter, unser Heimatforscher, hat in dem von ihm eingerichteten Volkskundemuseum im Dachraum des kurf\u00fcrstlichen Amtshofs zu Heppenheim in einem Schaukasten (Vitrine 19 und 20 unten) einen vollst\u00e4ndigen Kerwezug, wie er im Odenwald meist \u00fcblich war, modelliert. Hier wird noch \u00fcberliefertes Brauchtum sichtbar. Im Modell gehen dem Kerwezug zwei Gestalten mit langen Besen voran. Ihre Aufgabe ist wohl, die Stra\u00dfe sauber zu kehren und frei zu machen f\u00fcr den Umzug. Den Fegern folgt der Polizeidiener, dann der Bajaz, danach kommen die Fahnenschwinger. Der Musik voran geht ein Schildtr\u00e4ger. Auf dem Schild steht: &#8222;Wem is die Kerwe? \u2013 Unser!&#8220; Nach der Musik kommt das Kerwepaar mit dem Kerwekranz, der an einer Heugabel h\u00e4ngt. Im ersten Wagen sitzt der Kerwepfarrer mit Talar, Barett und Beffchen. Hinter dem Wagen h\u00e4ngt an einer Stange ein Scheuerkorb; darin sitzt der Teufel. Dann folgen der Schimmelreiter und einige Doppelgestalten. Auf dem n\u00e4chsten Wagen waschen einige W\u00e4scherinnen ihre W\u00e4sche in einem gro\u00dfen Zuber. Ein weiterer Wagen zeigt, wie ein Bursche rasiert wird, der n\u00e4chste, wie ein Bursche vom Hufschmied beschlagen wird. An diesem Wagen h\u00e4ngt das Kerwerad, ein Wagenrad, das sich an einer schr\u00e4gen Achse dreht. Zwei Burschen sitzen darauf und halten das Kerwerad in Schwung. Einmal ist der eine oben, dann wieder der andere (Sonnenrad). Zu Fu\u00df folgen J\u00e4ger mit Larve vor dem Gesicht, Hinkelsk\u00e4ufer und Kinderchaise, in dem ein Kerweborsch liegt. \u2013 Dieses Modell soll einen Einblick geben, wie ein Kerwezug im allgemeinen aussieht, welche Figuren \u00fcblich waren oder sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den verschiedenen Ortschaften variiert das nat\u00fcrlich. In Hambach kommen bestimmte Figuren nicht vor. Es waren nie vorhanden: Bajaz, Schimmelreiter, Doppelgestalt, Kerwerad und die Wagen mit den Initiationsriten (= alte Aufnahmebr\u00e4uche in die Burschenschaften).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie verl\u00e4uft nun die Hambacher Kerwe?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr. Winter und ich haben unabh\u00e4ngig voneinander und in verschiedenen Jahren bei verschiedenen Gew\u00e4hrsm\u00e4nnern Befragungen angestellt. Die Ergebnisse dieser Befragungen und eigene Beobachtungen sollen im folgenden angef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hambacher Kerwe findet vierzehn Tage nach Ostern statt und wird &#8222;Brennesselkerb&#8220; genannt, da es an diesem Tag Brennesselgem\u00fcse gab. Wir haben also die Brennesselkerb im sogenannten Tal der Rosen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Vorbereitung<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwa an Ostern versammelt sich die Burschenschaft von Hambach zur Aufstellung der vor\u00fcbergehenden Gemeinschaft der Kerweborscht. Manchmal ist das Angebot sehr gro\u00df, manchmal will sich niemand f\u00fcr die Sache hergeben. Aus der Schar der Kerweborscht (7 \u2013 10) wird der Hauptkerweborsch gew\u00e4hlt, der die Kerweredd vorzutragen hat. Zum Hauptkerweborsch w\u00e4hlt man den \u00e4ltesten oder f\u00e4higsten Burschen, denn meist mu\u00df er sich seine Rede selber verfassen, wenn sie nicht gemeinsam aufgesetzt wird. Der Hauptkerweborsch hat nach Adam Knapp nie die Bezeichnung &#8222;Kerwepfarrer&#8220; getragen. Er war auch nie wie ein Pfarrer verkleidet. Er tr\u00e4gt Schwenker und Zylinder. Die Kerweborscht nehmen sich einige Kerwe- m\u00e4dchen zur Hilfe. Ihre Aufgabe ist es, die Kerwekr\u00e4nze zu binden. Aus den Kerwem\u00e4dchen wird dann die Kerwek\u00f6nigin gew\u00e4hlt (Anlehnung an die Wahl der Maienk\u00f6nigin am 1. Mai, was aber in Hambach als Brauchtum nicht ge\u00fcbt wird).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Kerweausgraben<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kerwe beginnt am Sonntag nachmittag etwa um 14 Uhr. Sie endet am Dienstag morgen. Vor dem Festzug wird die Kerwe gesucht und ausgegraben. Einige Kerweborscht gehen in Verkleidung vors Dorf auf eine Wiese, meist oben im Tal, und suchen mit einer Me\u00dflatte die Kerwe an der Stelle, wo sie im Vorjahr begraben wurde. Der Sucher hat einen Schlapphut auf und tr\u00e4gt eine Laterne. Der Ausgr\u00e4ber hat eine Hacke. Mit der hackt er am Fundort den Boden auf. Nach Gew\u00e4hrsmann Helfert wurden im Vorjahr eine Flasche Wein, ein Knochen und ein St\u00fcck Kuchen als Kerwesymbol vergraben. Angeblich wird beim Ausgraben die gleiche Flasche Wein wieder gefunden und in einen mit bunten B\u00e4ndern geschm\u00fcckten Korb gelegt. Ge- w\u00e4hrsmann Knapp kann dar\u00fcber keine Angaben machen. Nach seinen Aussagen ist die Kerwe verk\u00f6rpert durch den Kerwekranz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Kerwekranz<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Kerwekranz wird von den Kerwem\u00e4dchen in der Woche vor der Kerwe in einem Privathaus im Beisein der Kerweborscht hergestellt aus Buchs, Fichtenspitzen und papiernen oder seidenen Musterungsb\u00e4ndern. Der Kranz ist rund, ohne B\u00fcgel und wird an vier Schn\u00fcren an eine Stange (nicht an eine Heugabel) geh\u00e4ngt und an ihr vom Kranztr\u00e4ger im Zug zur Wirt- schaft getragen. Vor dem Abholen der Kerwe ist der Kranz an die Stelle des Ausgrabens gebracht worden. Wenn der Kranz an der Stange h\u00e4ngt, ist die Kerwe er\u00f6ffnet \u2013 der Kerwezug kann beginnen. Mittlerweile hat sich auch die Musik zur Ausgrabungsstelle begeben, und der Zug formiert sich. Als Schlachtenbummler springen schon die ganze Zeit die Schulkinder auf Wiese und Stra\u00dfe herum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Bekanntmachung<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dem Zug voraus eilt der Polizeidiener mit der Ortsschelle und schellt folgende Bekanntmachung aus:&nbsp;<\/em><br>&nbsp;<br>&#8222;Ich komm gerannt unn geb bekannt<br>im ganze Land, einschlie\u00dflich Schlo\u00dfberg und Sand:<br>Ehr liewe Leit \u2013 Im Rousedal is Kerwe heit!<br>Deshalb lo\u00dft eich net verdrie\u00dfe,<br>dut all die Kerwe richtig genie\u00dfe!<br>Unn wann eier Geld nimm\u00e4i langt,&nbsp;<br>bumbte emol uff ere annere Bank.&nbsp;<br>&nbsp;<br><em>Diese Bekanntmachung ist nicht jedes Jahr gleich. Im Jahr 1954 lautete sie:<\/em><br>&nbsp;<br>&#8222;Bekanntmachung&#8220;&nbsp;<br>&nbsp;<br>Ehr liewe G\u00e4scht, ehr liewe Leit!<br>Es is souweit.<br>Die Kerb is g\u2019funne, sie kumme glei runne<br>mit Kranz unn Spruch, dann macht aone druff !&nbsp;<br>Bleibt lang bei uns im Rousedal,<br>ehr hett die Waohl!&nbsp;<br>Trinkt recht Woi unn Bier,<br>e\u00dft Weck unn Woscht,<br>des w\u00fcnsche eich die Kerweboscht!&#8220;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahre 1957 lautet die Bekanntmachung in der ersten Strophe gleich. In der zweiten ist sie etwas abgewandelt. Man kann daraus auf schlechtes Wetter schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Schee is bei uns im Rousedal,<br>de\u00df merkt emol!&nbsp;<br>Vun dem Werrer lo\u00dft eich net vedrie\u00dfe,<br>dut all die Kerb mol richtig genie\u00dfe!<br>en gure Abeditt un en grou\u00dfe Doscht,<br>des w\u00fcnsche eich die Kerweboscht.&#8220;&nbsp;<br>Der Spruch des Polizeidieners im Jahr 1958 lautet ganz anders:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Bekanntmachung!\u00a0<\/em><br>Ich tu euch hiermit zu wissen und kund \u2013<br>da\u00df die Kerb g\u2019funne worn is in dieser Stund!\u00a0<br>Damit is der Auftakt g\u00e4wwe zum Fr\u00f6hlichsein\u00a0<br>bei Weck unn Woscht unn aa bei Wein \u2013\u00a0<br>De Feschtzugg bewegt sich in K\u00fcrze durchs Ort.\u00a0<br>Denoch h\u00e4iert all des Kerwewort!\u00a0<br>Unn wann aa alles g\u00e4it in Scherwe\u00a0<br>\u2013 Sie werd werrer schee \u2013 die Brennesselkerwe!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Der Kerwezug\u00a0<\/strong><\/em><br>\u00a0<br>Nach den Aussagen von Herrn Helfert sprengt ein Reiter durchs Dorf zur Stelle des Ausgrabens, dann zur\u00fcck zu dem sich aufstellenden Zug, macht dort Meldung und setzt sich an die Spitze des Zugs. Hinter ihm kommen vier Reiter, zu zweien nebeneinander. Sie sind ein bi\u00dfchen farbig gekleidet. Hinter den Reitern schreitet der Bursche, der die Kerb ausgegraben hat. Er tr\u00e4gt \u00fcber dem R\u00fccken eine Hacke, die verkehrt auf den Stiel geschoben ist. Das geht zur\u00fcck auf ein Fr\u00fchlingsbrauchtum. Die b\u00f6sen Geister wollen das Wachstum und die l\u00e4ndliche Arbeit st\u00f6ren. Sie zerst\u00f6ren auch die landwirtschaftlichen Ger\u00e4te. Damit nun die Hacke nicht von den b\u00f6sen Geistern vernichtet werden kann, macht sie der Bauer als solche unkenntlich, er steckt die Hacke verkehrt auf den Stiel. Im Fr\u00fchlingsbrauchtum findet man vielfach das Umkehren aller Dinge, was auf denselben Gedanken zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Die Geschlechter werden vertauscht, was unten ist, wird nach oben gekehrt. Der Sinn der Verkleidung zur Fastnacht wird klar, wenn man daran denkt, da\u00df einem die b\u00f6sen Geister nichts anhaben sollen. Wenn sie mich verfolgen, kennen sie mich in meiner Verkleidung nicht und lassen mich in Ruhe. Deshalb ist der Kerweausgraber in Lumpen gekleidet. Manchmal geht er auch bucklig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Leute mit der Me\u00dflatte, die die Strecke abmessen, sind erst sp\u00e4ter in den Zug gekommen, waren aber bereits vor 1914 vorhanden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die<em>&nbsp;<\/em>Fahnenschwinger sind kerwem\u00e4\u00dfig bunt angezogen. Ihre Gesichter sind aber nicht bemalt. Sie schwenken zum Takt der Musik ihre Fahnen. Vielleicht geht dieser Brauch zur\u00fcck auf das Schwingen von Fackeln oder brennenden Scheiben, einen alten Fastnachtsbrauch. Soweit der Schein der geschwungenen Fackeln reicht, soweit geht der Segen auf dem Feld. Man macht also Flurumg\u00e4nge und schwingt Feuer. Das Feuer ist Analogiezauber f\u00fcr die Sonne. Sowie die geschwungene Fackel das Feld bescheint, so soll es die segenbringende Sonne auch tun und damit das Wachstum f\u00f6rdern. Das Schwingen von Fahnen ist in einem Umzug weniger gef\u00e4hrlich. Es mag auf den alten Feuerbrauch zur\u00fcckgehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die<em>&nbsp;<\/em>Musik folgt den Fahnenschwingern zu Fu\u00df. Dann kommen die<em>&nbsp;<\/em>Kerweborscht zu Fu\u00df in Zweierreihen, vorne in der Mitte der Hauptkerweborsch mit zwei Begleitern links und rechts. Die Kerweborscht sind festt\u00e4glich gekleidet mit Hut oder ohne Kopfbedeckung. An der linken Brust steckt ein Kerwestr\u00e4u\u00dfchen. Hinter den Kerweborscht folgen die<em>&nbsp;<\/em>Kerwem\u00e4dchen<em>,<\/em>ebenfalls zu Fu\u00df in Zweierreihe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unmittelbar vor der Musik geht der<em>&nbsp;<\/em>Kranztr\u00e4ger mit dem Kerwekranz an der Stange.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein<em>&nbsp;<\/em>Brautpaar ist ebenfalls \u00f6fter im Umzug. Die Braut geht im bunten Rock mit B\u00e4ndern im Haar; auch der Br\u00e4utigam ist bunt herausgeputzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Schornsteinfeger ist schon im Zug mitgegangen, ohne da\u00df er sich brauchm\u00e4\u00dfig bet\u00e4tigt h\u00e4tte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bajasse und Kerwerad gibt es im Hambacher Zug nicht. Helfert hat schon ein Sonnenrad gesehen bei einer Komm\u00f6diantentruppe, die in Hambach Vorstellungen gab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die<em>&nbsp;<\/em>Doppelgestalt (Frau tr\u00e4gt auf dem R\u00fccken einen Mann. Die laufende Gestalt ist echt, die getragene ist ausgestopft.) ist im Hambacher Kerwezug nicht vertreten. Zuweilen ist diese Gestalt an Fastnacht in Hambach gesehen worden. Wagen wurden fr\u00fcher nur selten mitgef\u00fchrt. Herr Helfert konnte sich erinnern, da\u00df einmal auf einem solchen Pfannenflicker dargestellt wurden. Der Wagen war ringsum mit Pfannen und Kannen beh\u00e4ngt. In der Wagenmitte sa\u00dfen Burschen, die als Pfannenflicker verkleidet waren und Radau machten. Das L\u00e4rmen dient wieder dazu, b\u00f6se Geister abzuhalten oder zu vertreiben. Nach Helfert sind auch schon Begebenheiten aus dem Dorfleben beim Kerwezug dargestellt worden. Auch nach den Aussagen von Adam Knapp gab es fr\u00fcher keine Wagen im Zug. Auch die Kerweborscht liefen. Sie hatten einen guten Anzug an und trugen ein Str\u00e4u\u00dfchen im Knopfloch. Der Hauptkerweborsch hatte einen Zylinder auf. Sp\u00e4ter kamen dann die Wagen dazu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Burschen und die M\u00e4dchen fuhren in verschiedenen Wagen. Wesentlich war dann ein Wagen, auf dem in einem Kessel Brennesseln gekocht wurden. Neben dem Kessel stand eine handgetriebene H\u00e4ckselmaschine zum Brennesselschneiden. Im Kerwezug wurden mehrere Kr\u00e4nze mitgef\u00fchrt, f\u00fcr jede Wirtschaft, wo Tanz war, einen. Es wurde in vier Wirtschaften getanzt. Nach A. Knapp verteilten sich die Kerweborscht auf die Wirtschaften. Nach anderen Aussagen hatte jede Wirtschaft ihre eigenen Kerweborscht. Ich glaube aber, das w\u00fcrde dem Wesen der Dorfgemeinschaft widersprechen. Die Kerweredd oder der Kerwespruch, wie es in Hambach hei\u00dft, wurde nur vor der Hauptwirtschaft gehalten. Bei den sp\u00e4rlichen Belegen, die mir B\u00fcrgermeister Tilger leihweise \u00fcberlie\u00df, fand ich die Aufstellung eines Kerwezugs mit den Namen der Funktionstr\u00e4ger. Hier wird die Aussage des Herrn Knapp best\u00e4tigt, da\u00df mehrere Kr\u00e4nze im Zug mitgef\u00fchrt wurden. Dieser Kerwezug (auf dem Zettel ist keine Jahreszahl vermerkt) hatte folgende Nummern: 1. Polizeidiener \u2013 2. Kehrer \u2013 3. Fahnenschwenker \u2013 4. Kerwesucher \u2013 5. vier Reiter \u2013 6. Radfahrer \u2013 7. Spielmannszug \u2013 8. Kerwekr\u00e4nze \u2013 9. Kerweburschen (es ist ein Fahrer angegeben, also fuhren sie) \u2013 10. Rosenwagen mit Rosenk\u00f6nigin (in diesem Jahr war es Irmgard Leist) \u2013 11. Kerwewagen (es ist nicht angegeben, was auf ihm dargestellt wurde) \u2013 12. Brennesselwagen. \u2013 Im Jahre 1950 gab das &#8222;Kerwekomitee&#8220; eine Festschrift heraus, ein Faltblatt, das einen Willkommensgru\u00df enthielt, auf der zweiten Seite eine Erkl\u00e4rung \u00fcber das Hambacher Kirchweihfest und eine Bekanntgabe, da\u00df in diesem Jahr der Kerwezug mehr als Festzug gestaltet sei. Auf den letzten Seiten der Festschrift ist der Kerwespruch abgedruckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Festzugsfolge:&nbsp;<\/em>1. Herold \u2013 2. Fahnenschwenker \u2013 3. Vorreiter \u2013 4. Kerwekomitee \u2013 5. Radfahrergruppe \u2013 6. Reitergruppe \u2013 7. Fahnenschwenker \u2013 8. B\u00fcrgermeister und Orts\u00e4lteste \u2013 9. Erste Musikkapelle \u2013 10. Kerwekr\u00e4nze \u2013 11. Kerweburschen \u2013 12. Sieben Schwaben \u2013 13. Rosenwagen \u2013 14. Schneewittchen und die sieben Zwerge \u2013 15. Wagen des Handwerks \u2013 16. Rotk\u00e4ppchen \u2013 17. Fahnenschwenker \u2013 18. Zweite Musikkapelle \u2013 19. J\u00f6rg vum Verwald \u2013 20. Kerwewagen \u2013 21. H\u00e4nsel und Gretel \u2013 22. Jagdwagen \u2013 23. Dornr\u00f6schen \u2013 24. Rebstockwagen \u2013 25. und viele andere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Kerweumzug, der sich hochtrabend &#8222;Festzug&#8220; nennt, sprengt den Rahmen. Man sollte einen Kerwezug mit den alten herk\u00f6rmlichen Gestalten aufstellen und nicht meinen, man m\u00fc\u00dfte einen Festzug mit m\u00f6glichst vielen Wagen gestalten und damit der Verst\u00e4dterung verfallen. So sch\u00f6n auch die Wagen mit den M\u00e4rchenmotiven aussehen m\u00f6gen, sie haben in einem urw\u00fcchsigen, brauchtumverhafteten Kerwezug nichts verloren. Das ist keine Aufw\u00e4rtsentwicklung. Das ist Fremdes, St\u00e4dtisches ins Dorf hereingeholt. Wenn man heute noch einen Kerwezug gestalten will, dann mu\u00df man die in den Kerwespr\u00fcchen so vielfach ger\u00fchmte Tradition bewahren, dann mu\u00df man r\u00fcckw\u00e4rts schauen und fragen, wie es fr\u00fcher war. Nur so kann man das alte Kulturgut und Brauchtum bewahren. Ein Kerwezug mu\u00df organisch gewachsen sein. Er kann sich wohl entwickeln und abwandeln, aber er mu\u00df im Rahmen des Brauchtums bleiben. Ein Kerwezug ist kein Fastnachtszug nach st\u00e4dtischer Art. Er soll und kann es nicht sein! Der echte Hambacher Kerwezug wird nicht jedes Jahr das gleiche Aussehen gehabt haben. Einmal werden mehr, einmal weniger Figuren vertreten gewesen sein. Der Zug zieht durchs ganze Dorf, dreht am Dorfende und geht im Gegenzug zur Hauptwirtschaft, wo die Leiter mit angebautem Rednerpult oder ein Podium mit bekr\u00e4nztem Gel\u00e4nder steht. W\u00e4hrend des Umzugs herrscht sowohl bei den Umz\u00fcglern als auch bei den umstehenden Zuschauern viel Frohsinn und Humor; alles gibt seiner Freude laut Ausdruck. Immer wieder ert\u00f6nen die Rufe: &#8222;Die Kerb is unser unn die M\u00e4dchin aa!\u00a0<br>Unn wer danze will, der sucht sich aa!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Kerwespruch<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An der Hauptwirtschaft macht der Kerwezug halt. Der Hauptkerweborsch besteigt die Leiter oder sein Podest und schl\u00e4gt sein gro\u00dfes Buch auf. Ihm zur Seite stehen zwei Begleiter, die ihm notwendige Handreichungen machen, wie Wein eingie\u00dfen oder den Kerwekranz au\u00dfen aufh\u00e4ngen. Der Kerwespruch enth\u00e4lt Dorfereignisse des Jahres und R\u00fcgen \u00fcber ungen\u00fcgende Zust\u00e4nde im Dorf. Der Kerwespruch ist gereimt und in Mundart abgefa\u00dft. Die Einleitung besagt, da\u00df jetzt Fr\u00fchling ist, da\u00df Ostern vorbei und die sch\u00f6ne Zeit der Hambacher Kerwe angebrochen ist. Alle Erschienenen aus nah und fern werden begr\u00fc\u00dft und willkommen gehei\u00dfen. Dann leitet der Spruch \u00fcber zu den Dorfereignissen. Am Schlu\u00df der Rede kommt die Aufforderung zum Tanz. Zwischen den Abs\u00e4tzen des Spruchs macht der Redner eine Pause und trinkt einen Schluck Wein, die Musik spielt einige Takte, das Brautpaar und die Kerweborscht und Kerwem\u00e4dchen tanzen im Freien. Die jeweilige Pause wird mit einem Trinkspruch eingeleitet. Dieser Trink- spruch wiederholt sich bei jeder Pause entweder w\u00f6rtlich oder er wird abgewandelt. Ich erinnere mich an einen Kerwespruch, lang vor dem Krieg, da war der Trinkspruch starr und ungewandelt nach jeder Strophe des Kerwespruches und lautete:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">&#8222;Kamerad, schenk ein, es mu\u00df einmal getrunken sein!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meistens aber variieren diese Zwischenspr\u00fcche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht nur der Kerwezug 1950 tanzt aus der Reihe, auch der Kerwespruch tut es<strong>,<\/strong>&nbsp;denn er behandelt nicht die Ortspolitik, sondern die Bonner Politik nimmt sich der Redner aufs Korn. Es kommt auch zwischen den Abs\u00e4tzen keine Pause, kein Trinkspruch und keine Musik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Kerwespruch 1953 lauten die Zwischenspr\u00fcche:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">1. &#8222;Es is egal, ob me unne oufange oder owwe,&nbsp;<br>erscht werd emool es Glas gehowwe.&#8220; (Musik)&nbsp;<br>2. &#8222;Die Musik speelt jetzt Nummer noi,&nbsp;<br>es mu\u00df emool getrunke soi.&#8220;&nbsp;<br>3. &#8222;Die Musik konn jetzt aaner speele,&nbsp;<br>ich mu\u00df mer mool die Gorgel eele.&#8220;&nbsp;<br>4. &#8222;Die Musik speelt jetzt Nr. fufz\u00e4i.&nbsp;<br>es mu\u00df doch a e bissel was druffg\u00e4i.&#8220;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Kerwespruch klagt der Redner zum Schlu\u00df wie folgt:\u00a0<br>&#8222;Fr\u00fcher, uff de Kerb \u2013 do frog de Schorsch \u2013\u00a0<br>war alles gemaocht vun de Kerweborsch \u2013\u00a0<br>Hait g\u00e4it aofach kaoner drou,\u00a0<br>hait f\u00e4ngt de Boijemaoschte ou.\u00a0<br>Wann der net on alles denke deht,\u00a0<br>mancher die Kerb vegesse deht.\u00a0<br>Mit de Kerweboscht, des is en Jammer,\u00a0<br>noch net die paar bringt me zamme!\u00a0<br>\u00c4wwer es anner Johr werd net gemuschtert un gewoche,\u00a0<br>do w\u00e4nn se aofach oigezoche. \u2013\u00a0<br>Un da\u00df die M\u00e4dchin zufreere sinn,\u00a0<br>werd jederi e Keenigin.\u00a0<br>Jetzt wi\u00dfte alles, un jetzt g\u00e4its lous,\u00a0<br>mer Klaone dunn jetzt emool grou\u00df!\u00a0<br>Me brauche kao Anoose,\u00a0<br>unn jetzt dut die Musik unn ich aone bloose!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Kerwespruch 1954 bleibt der Zwischenspruch konstant nach jeder Strophe, Er hei\u00dft:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">Die Musik macht jetzt aoner druff,&nbsp;<br>unn mer gebt er mool die Flasch eruff!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schlu\u00dfsprich gibt eine andere Ank\u00fcndigung:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">&#8222;Bevor mer oizihe in de Saal<br>singe mer des Lied vum Rousedaal.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dem Kerwespruch 1955 hei\u00dft der konstante Zwischenruf:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">&#8222;G\u00e4b mer mool des Fl\u00e4schel Woi,<br>sunst schloofe mer die Lait noch oi!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Inhalt der Rede ber\u00fchrt den Fortschritt und die Mechanisierung in der Landwirtschaft. Der Kerweredner spricht in seinen Mundartversen davon, da\u00df &#8222;die Ackerschlepperepidemiepesteritis&#8220; ausgebrochen sei und bald keine &#8222;Knoddel&#8220; mehr &#8222;uff de Ga\u00df&#8220; zu finden seien. In einer weiteren Strophe ist von der Holzversteigerung die Rede. Zum Schlu\u00df gedenkt der Redner noch des Textdichters mit den Worten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">&#8222;Un \u00e4i mer gehn zum Tanz \u2013&nbsp;<br>danke mer noch unserm humorvolle Eugen Franz.&nbsp;<br>M\u00f6g er uns noch lang erhalte bleibe&nbsp;<br>als Kerwereddeschreiwe.&#8220; \u2013 (Musik!)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Belegen fehlt das Jahr 1956. Ob da kein Kerwezug war, ist mir nicht bekannt.<em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>1957:<\/em>&nbsp;In der zweiten Strophe klagt der Kerweredner \u00fcber die Schwierigkeiten bei der Vorbereitung zum Fest. Mit M\u00fch und Not bek\u00e4me man die Kerweborscht zusammen. Noch schlimmer sei es bei der Aufstellung der Kerwem\u00e4dchen. Sie w\u00e4ren alle zu sch\u00fcchtern, um auf den Kerwewagen zu steigen, und keine sei bereit gewesen, die &#8222;Rousedalskenischin&#8220; zu sein. \u2013 Die n\u00e4chste Strophe prangert die Preissteigerungen an. Eine weitere Strophe spricht davon, da\u00df es jetzt in der Gemeinde bald einen gro\u00dfen Sportplatz g\u00e4be. Die Zwischenspr\u00fcche sind sehr abwechslungsreich:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">1. &#8222;Die Kehl is trocke, de Mage is leer,&nbsp;<br>drum reich mer emool des Fl\u00e4schel her!&#8220;<br>2. &#8222;Geb mer emool die Flasch, des l\u00e4nglich Ding,&nbsp;<br>Gott sei Dank, es is noch ebbes drin.&#8220;&nbsp;<br>3. &#8222;Doch zuvor noch en Schluck vum Bergstr\u00e4\u00dfer Woi,&nbsp;<br>nadierlich nur mit Musik mu\u00df es soi.&#8220;&nbsp;<br>4. &#8222;Die Musik konn aoner speele,&nbsp;<br>un ich mu\u00df mer die Gorgel eele.&#8220;&nbsp;<br>5. &#8222;Drum ehr Sportler, uff eier spezielles Wohl!&nbsp;<br>Ehr drinkt doch es ganze Johr kahn Alkohol!&#8220;&nbsp;<br>6. &#8222;Die Musik kann jetzt aoner bloose,&nbsp;<br>unn ich duh jetzt des Gl\u00e4sel ousto\u00dfe!&#8220;&nbsp;<br>7. &#8222;Ich drink emool vum Haambecher Woi,&nbsp;<br>unn ehr stimmt mit de Musik ins Lied oi!&#8220;&nbsp;<br>8. &#8222;Die Musik speelt jetzt Nr. noi,&nbsp;<br>es mu\u00df emool getrunke soi!&#8220; \u2013<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1958: Die Trinkspr\u00fcche beziehen sich immer auf den Inhalt der vorangegangenen Strophe:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">1. &#8222;Des is Tradition \u2013 die duht in Haombach net sinke \u2013&nbsp;<br>unn ich mu\u00df erscht emool trinke.&nbsp;<br>2. Schenkt mer ewer werrer mool oi,&nbsp;<br>dann uff\u2019 sou was mu\u00df getrunke soi!<br>3. Mer drinke uff den doure Haos \u2013&nbsp;<br>auf, f\u00fcllt mer mool moi leeres Glaos!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">4. Doch ich will werrer mol die Gorgel schmeern,&nbsp;<br>schenkt oi \u2013 sunscht mu\u00df der Peter den Woi ausleern.&nbsp;<br>5. Des warn emool korz die Preise der Polizei,&nbsp;<br>unn meer trinke nochemool,geb\u00fchrenfrei\u2019.&nbsp;<br>6. Auf, singt recht schee,Im Tal der Rose\u2019,&nbsp;<br>die zwaa unn ich, meer&nbsp;dun mool aon bloose.&#8220; \u2013<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>1959:&nbsp;<\/em>In dieser Kerweredd werden die Verkehrsverh\u00e4ltnisse im engen Tal gebrandmarkt. Man kann in dieser Enge keine Kerb mehr abhalten. Sie soll in Zukunft auf dem Sportplatz, oben auf der H\u00f6he, gefeiert werden. Die drei Zwischenspr\u00fcche:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">1. &#8222;Die Musik soll jetzt emool aon speele,&nbsp;<br>unn ich duh emool moi Gorgel eele.&nbsp;<br>2. Jetzt schenk mer hottig emool oi,&nbsp;<br>dann dadruff mu\u00df getrunke soi!&nbsp;<br>3. Die Musik kann vor zwei Mark aone speele,<br>dann ich war net debei,<br>drum duh ich dodruff aone trinke glei.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Schlu\u00df seiner Rede weiht der Hauptkerweborsch den Kerwekranz mit Wein und h\u00e4ngt ihn im Tanzsaal auf. Das Glas zerschmettert er auf dem Boden. Die Weihespr\u00fcche von 1950 lauten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">&#8222;Sou, ehr liewe K\u00e4rwelait,&nbsp;<br>jetzt werd K\u00e4rb und Kranz geweiht:&nbsp;<br>Dir, Kranz des Frohsinns und der Freude,&nbsp;<br>im pr\u00e4chtigbunten Farbenkleid,&nbsp;<br>weihn wir Rosent\u00e4ler heute&nbsp;<br>unser Fest mit Freud und Leid.&nbsp;<br>Den ersten Tropfen nehme hin,&nbsp;<br>zum Zeichen uns\u2019rer Treue,&nbsp;<br>die wir mit Rosent\u00e4ler Sinn&nbsp;<br>geloben dir aufs Neue.&nbsp;<br>Beim zweiten wollen wir dich bitten:&nbsp;<br>La\u00df unser Fest in Ruh verlaufen \u2013 \u2013&nbsp;<br>Und la\u00df uns auch in Ruh den dritten&nbsp;<br>zu guterletzt noch selber \u2013 trinken!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Aufforderung zum Tanz hei\u00dft in diesem Kerwespruch:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">&#8222;Sou, eher liewe K\u00e4rweleit,\u00a0<br>Jezz waahs jedermann Bescheid,\u00a0<br>Also m\u00e4tte noi ins Dreiwe,\u00a0<br>Kaoner d\u00e4ff hait aobseits bleiwe!\u00a0<br>Wem is die K\u00e4rb? Unser!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Kerwetanz<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Ende des Kerwespruchs ist auch der Kerwezug vor\u00fcber. Er l\u00f6st sich auf. Der Auftakt zum Kerwetanz ist damit gegeben. Die Kerweborscht haben das Recht, den ersten Tanz mit ihren Kerwem\u00e4dchen zu tanzen. Der Kerwetanz geht ohne Programm vor sich. Heute werden moderne T\u00e4nze gespielt. Fr\u00fcher waren \u00fcblich: Hopsawalzer, Schleifwalzer, Dreher, Schottisch, Polka, Mazurka usw.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gew\u00e4hrsmann Helfert kann sich an einige Tanzlieder erinnern. Ein Tanzlied lautet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">&#8222;Herr Schmitt, Herr Schmitt,&nbsp;<br>Was bringt das Gretchen mit?&nbsp;<br>Einen Schleier oder Federhut,&nbsp;<br>Der steht dem M\u00e4dchen gar so gut.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gab auch Tanzeinlagen, wie Kissentanz und Korbtanz. Das trug zur Unterhaltung bei. Auch die Nichtt\u00e4nzer hatten dabei ihre Kurzweil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Betrieb in den Gasth\u00e4usern dauerte bis etwa drei Uhr morgens. Die meisten Leute gingen dann nach Hause. Viele Burschen aber legten sich in der Wirtschaft irgendwo zum Schlafen nieder und tranken dann gemeinsam Kaffee in der Wirtschaft. Das wird heute wohl nicht mehr der Fall sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Kermemontag<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Morgens zwischen 9.00 und 10.00 Uhr geht ein Musikumzug durchs Dorf und bringt St\u00e4ndchen. Dem Zug voran gehen die Fahnenschwinger. Zwei Kerweborscht tragen einen Korb zum Eiersammeln. Auch Schinkenfleisch wird geheischt. Die Musik spielt vor jedem Haus, von dem man sich etwas erwartet, ein St\u00e4ndchen. Vor dem Haus tanzen die Burschen mit den Hausbewohnerinnen. Die Kerwem\u00e4dchen ziehen nicht mit um. Die Heischer erhalten von den Hausbewohnern au\u00dfer den Eiern und dem Schinken einen Trunk und Geld.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Umzug am Kerwemontag war manchmal auch der B\u00e4r dabei. Der Bursche, der den B\u00e4r darstellte, war ganz in lange Strohseile eingebunden, auch der Kopf war ganz mit Stroh bedeckt. Um seinen Leib war eine Kette gelegt, die sein F\u00fchrer hielt. Der B\u00e4r mu\u00dfte tanzen und brummen. Wenn er Durst hatte, tauchte er seinen Kopf in die Laufbrunnen, die es fr\u00fcher in Hambach noch gab. Manchmal legte er sich auch an den Bachrand und tauchte seinen Kopf zum Trinken in den Bach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Figur des Strohmannes, die in Hambach &#8222;B\u00e4r&#8220; genannt wird, geht auf das Fr\u00fchlingsbrauchtum zur\u00fcck. Der Strohmann stellt den Winter dar. Im Sommertagszug k\u00e4mpft er mit dem Sommer und unterliegt. Oder der &#8222;Winter&#8220; wird verbrannt. Im Hambacher Kerwebrauch kommt nur noch die Figur vor. Der Sinn ist verlorengegangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der &#8222;B\u00e4r&#8220; wird auch nicht bek\u00e4mpft oder verbrannt. Nach dem Umzug gehen die Kerweborscht mit den geheischten Eiern in die Wirtschaft und lassen sich von den Wirtsleuten Speck und Eier backen und verzehren sie gemeinsam. Um 15.00 Uhr beginnt dann wieder die Tanzmusik. Die Bauern arbeiten an diesem Tag nicht. Sie gehen mit ihren Frauen wieder zum Tanz oder lassen es sich in der Wirtschaft bei ausgiebigem Essen und Trinken gut sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Kerwedienstag<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 9.00 Uhr bildet sich wieder ein Zug, um die Kerb zu begraben. An dieser Angelegenheit nehmen nur die Kerweborscht teil. Die Fahnenschwinger fehlen, denn es handelt sich um eine traurige Angelegenheit. Die Musik besteht nur aus einem Ziehharmonikaspieler. Der Kerbsucher hat jetzt keine Hacke, sondern eine Grabschaufel bei sich und in einem Korb eine Flasche Wein, Knochen und ein St\u00fcck Kuchen. Der Kerwekranz wird im Begr\u00e4bniszug nicht mitgef\u00fchrt, er bleibt im Tanzsaal h\u00e4ngen. Hinter dem Kerbsucher gehen die Trauerg\u00e4ste. In der Jugend des Gew\u00e4hrsmannes Adam Helfert haben sich daran zahlreiche alte M\u00e4nner von 60 Jahren und mehr in ihren Werktagskleidern beteiligt. Beim Zug durchs Dorf hinaus zur Begr\u00e4bnisst\u00e4tte hat einer der alten M\u00e4nner vorgebetet. Seine &#8222;Litanei&#8220; lautete:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">&#8222;Warn mer aach schun beim Rousew\u00e4rt? \u2013&#8220;&nbsp;<br>&#8222;Iwwerall, nor doo noch nett! \u2013&#8220;&nbsp;<br>&#8222;Warn mer aach schun beim L\u00f6wew\u00e4rt? \u2013&#8220;&nbsp;<br>&#8222;Iwwerall, nor doo noch net! \u2013&#8220; usw.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf diese Weise wurden s\u00e4mtliche Hambacher Wirtschaften aufgef\u00fchrt. Zu dieser Zeit gab es deren sechs. Die &#8222;Litanei&#8220; ging weiter:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">&#8222;Ein St\u00fcckchen Kuchen&#8220; \u2013 &#8222;Bitte f\u00fcr uns!&#8220;&nbsp;<br>&#8222;Ein St\u00fcckchen Wurst&#8220; \u2013 &#8222;Bitte f\u00fcr uns!&#8220;&nbsp;<br>&#8222;Eine Flasche Wein&#8220; \u2013 &#8222;Bitte f\u00fcr uns!&#8220; usw.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wurden in der &#8222;Litanei&#8220; nacheinander alle Kerwegen\u00fcsse aufgez\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So kam man an die Stelle, wo das Loch ausgehoben war. Alle stellten sich darum und greinten wie die Kinder. Der Hauptkerweborsch hielt eine Trauerrede und tr\u00f6stete die Trauerg\u00e4ste damit, da\u00df man im n\u00e4chsten Jahr wieder k\u00e4me und die Kerb wieder ausgraben w\u00fcrde. Dann zogen alle mit Zieharmonikamusik in die Wirtschaft zur\u00fcck. Dort bewirtete der Wirt seine G\u00e4ste frei. Diese Feier dauerte oft bis Mittwoch fr\u00fch. Dieser Bericht stammt aus der Erinnerung des Gew\u00e4hrsmanns Adam Helfert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gew\u00e4hrsmann Adam Knapp best\u00e4tigt, da\u00df beim Kerbbegraben nur Zieharmonikamusik zu h\u00f6ren ist statt einer ganzen Musikkapelle. Nach ihm findet keine Leichenrede statt. Es wird ein Loch gemacht und Wein hineingesch\u00fcttet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da\u00df das Kerbbegraben nach der ersten Schilderung leicht ausarten konnte, da\u00df dabei die kirchlichen Gebete und liturgischen Handlungen nachge\u00e4fft und ins L\u00e4cherliche gezogen wurden, liegt auf der Hand. Es ist auch zu verstehen, da\u00df ein empfindsames Herz oder jemand, der gerade kurz zuvor einen lieben Angeh\u00f6rigen verloren hatte, zutiefst verletzt wurde durch derartig grobe Scherze. Kein Wunder, wenn in Ortschroniken zu lesen ist, da\u00df derartige grobe Scherze vom Pfarrer oder Ortsoberhaupt verboten wurden. Die \u00c4u\u00dferungen des Gemeinschaftslebens auf dem Dorf sind sehr oft derb und roh. Diese \u00c4u\u00dferungen und Handlungen entspringen einem Gef\u00fchl von Mutwillen, der auf Festgelagen, wo auch immer, gez\u00fcchtet wird. Diese derben \u00c4u\u00dferungen in Ges\u00e4ngen, Worten und Werken wollen nie beleidigen und verletzen, sie wollen nur Betrieb machen und den Frohsinn steigern. Wenn im Brauchtum des Kerwebegrabens Entgleisungen immer wieder zu bef\u00fcrchten sind, dann ist es besser, wenn man gleich das Brauchtum begr\u00e4bt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber, ist das Brauchtum bei dem Begr\u00e4bnis eines Menschen immer piet\u00e4tvoll gewesen? Pfarrer Dr. Werner Geiger in Lindenfels wei\u00df in seinem B\u00fcchlein &#8222;Totenbrauch im Odenwald&#8220; viel davon zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Nachkerb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt ist das Brauchtum vorbei. Die Hambacher Nachkerb unterscheidet sich fr\u00fcher und heute in keiner Weise von einer ganz gew\u00f6hnlichen Tanzmusik. Heute, wo bei jeder Gelegenheit Tanzmusik ist, ist die Nachkerb durch nichts aus den vielen anderen Tanzgelegenheiten herausgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Nachwort<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie lange die Hambacher Kerwe mit ihrem Brauchtum besteht, wissen wir nicht. Die Hambacher Kerwe wird wohl als Fest bestehen bleiben. Sie ist in den Jahresfestkreis auf den zweiten Sonntag nach Ostern, sowohl f\u00fcr die kirchliche als auch f\u00fcr die weltliche Begehung, eingereiht. Wie lange aber der alte Volksbrauch das ganze Kerwegeschehen noch bestimmt, wei\u00df man nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fortschritt in der Technik, im Wirtschaftsleben, im kulturellen Leben und im Verkehr mu\u00df sein. Manchmal trauert man aber doch einer lieben, alten, zur Gewohnheit gewordenen Einrichtung nach, die der Fortschritt robust zur Seite ger\u00e4umt und piet\u00e4tlos ausgerottet hat. Die Einrichtung der Mittelpunktschulen z. B. bietet zweifellos gro\u00dfe Vorteile f\u00fcr die Erziehung und Bildung der heranwachsenden Jugend. Auf der anderen Seite aber wird mit ihrer Schaffung ein Kulturtr\u00e4ger aus dem Dorf herausgenommen. Die Schulentlassenen, die aus der Mittelpunktschule kommen, sind bereits im Dorf entwurzelt. Sie werden nicht mehr organisch in die Dorfgemeinschaft der Burschenschaft hineinwachsen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wo gibt es solche Burschenschaften \u00fcberhaupt noch? Wo soll oder kann sich aus ihr noch die Gemeinschaft der Kerweborscht bilden? Wer soll dann die Kerb mit ihrem Brauchtum ausrichten? Die alten Gew\u00e4hrsm\u00e4nner, die man befragt und die sich noch an so viel Altes, nicht mehr Vorhandenes, erinnern, sagen \u00fcbereinstimmend: &#8222;Fr\u00fcher war es sch\u00f6ner&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Hambach steht jetzt oben, neben dem Sportplatz, die Mehrzweckhalle. Diese Mehrzweckhalle soll, so sagt ihr Name, Festhalle, Theater, Tagungsraum, Sporthalle usw. sein. Die Kerwe soll k\u00fcnftig auch in dieser neuen Halle gefeiert werden. In einem Kerwespruch hei\u00dft es auch, da\u00df man in der Enge des Tals bei dem heutigen Verkehr keine gr\u00f6\u00dferen Feierlichkeiten mehr abhalten k\u00f6nne. Man bedenke aber, wenn man den Juxplatz, den Kerwespruch und Kerwetanz aus dem Dorf herausnimmt und das Fest, das seinen Mittelpunkt auch im Dorfmittelpunkt hatte, oben auf die H\u00f6he verlegt, ob das ein Fortschritt ist, ob dann auch die ausw\u00e4rtigen Besucher, die zuf\u00e4llig an der Wirtschaft, wo der Kerwespruch vorgetragen wird, vorbeikommen und stehenbleiben, ob diese Besucher auch eigens zum Anh\u00f6ren des Kerwespruchs dort hinaufgehen. Die Fahnen werden oben auf einem Platz wehen, der fr\u00fcher Acker oder Wiese war. Unten aber, im Dorf, wird man nichts mehr vom Fest merken. Das Dorf wird still und verlassen daliegen. Kein gewohntes Festtreiben wird mehr im Tal der Rosen herrschen. Es wird ein neues, verst\u00e4dtertes Treiben im neuen, ungewohnten Raum geben. Damit wird sich viel Altes und Vertrautes verlieren. Ob das Neue, das an die Stelle des Alten tritt, gleichen Wert besitzt, m\u00f6chte man mit Recht anzweifeln. Das d\u00fcrfte kein Fortschritt sein, das ist h\u00f6chstens ein Hin\u00fcber- wechseln in neue, nicht erprobte Formen, wohl gar ein Hin\u00fcberschwenken in fremde Lager, ein Ubernehmen fremden Kulturgutes, vielleicht gar aus einem Land, das keine Tradition kennt. Man sollte bei aller Bejahung eines neuen Festhauses \u00fcberlegen, wie man in die Neuerung gerade das altgewohnte Kerwefest sinnvoll hin\u00fcberretten k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hambacher Kerb hat ihre Tradition. Sie ist es wert, in ihrem Brauchtum erhalten zu bleiben. Warum sollte man hier nicht guten alten Wein in neue F\u00e4sser f\u00fcllen k\u00f6nnen? Die Hambacher Kerb er\u00f6ffnet den Reigen der l\u00e4ndlichen Kirchweihbegehungen. M\u00f6ge ihr ein unverf\u00e4lschtes Volkstum und Brauchtum erhalten bleiben!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Anmerkung: Text nach Alfred Wessel aus dem Buch &#8222;800 Jahre Hambach&#8220; von 1965<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Allgemeines Der Name Kerb,Kerwe, Kirb oder Kirmes bedeutet auf hochdeutsch Kirchweihe, d. h. die Weihe eines Gotteshauses. Die Kerb wird zur Erinnerung an den festlichen Tag der jeweiligen Gemeinde als [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","ast-disable-related-posts":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"default","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-20","page","type-page","status-publish","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/brennesselkerwe.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/20","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/brennesselkerwe.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/brennesselkerwe.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/brennesselkerwe.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/brennesselkerwe.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/brennesselkerwe.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/20\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":146,"href":"https:\/\/brennesselkerwe.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/20\/revisions\/146"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/brennesselkerwe.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}